Das Umweltbuch des Jahres
Umweltschutz findet jeder wichtig. "Öko? Logisch!" Das geht locker über die Lippen, ist aber schneller gesagt als getan. Denn der verbalen Überzeugung auch Taten folgen zu lassen, da hapert es bisweilen noch. Was fehlt, ist offenbar ein Vorturner, ein Entrepreneur im Geiste, der uns zeigen kann, warum und vor allem wie es sich für jeden einzelnen von uns lohnt, die Umwelt zu schützen. Jetzt ist er da, der ultimative Ratgeber: Andreas Schlumberger weiß 50 einfache Dinge, die Sie tun können, um die Welt zu retten, und wie Sie dabei Geld sparen. Ein kühner und anspruchsvoller Titel, doch um nicht mehr und nicht weniger geht es in dem kurzweiligen Vademekum. Jedem der 50 Tipps für den Alltag gehen aufschlussreiche Hintergrundinfos und verblüffende Zahlen voran. Erst dann geht es ans Eingemachte. Der Umweltexperte und Berater hat sich nämlich die Mühe gemacht, auszurechnen, "was dabei raus kommt", wenn man vor der eigenen Haustür kehrt, um sich gegen den drohenden Klimakollaps zu stemmen.
Was dabei raus kommt
Beispiel Energiesparlampe: Deren Kaufpreis ist zwar gegenüber der klassischen Glühbirne um ein Vielfaches höher (eine Elf-Watt-Energiesparlampe kostet 15 Euro, die Glühbirne mit gleicher Leistung nur 75 Cent). Aber: Die sparsame Leuchtstoffröhre hält viel länger und verbraucht sehr viel weniger Strom als die Edisonlampe mit dem Glühdraht. Die Investition lohnt sich in jedem Fall: Nicht nur überlebt die Sparlampe leicht zehn Billigbirnen. Sie bescheidet sich auch in 10 000 Betriebsstunden mit 18 Euro Stromkosten, während der Klassiker für diesen Zeitraum 90 Euro verglüht. Für die gleiche Leistung zahlen Sie also im Fall der Glühbirne 97,50 Euro, der Energiesparlampe sind dagegen 33 Euro genug. Unterm Strich haben Sie demnach 64,50 Euro eingespart.
Beispiel Kochen: Der Elektroherd mit Gussplatten ist am weitesten verbreitet, aber auch am teuersten im Verbrauch. Glaskera-mikfelder sind zehn Prozent günstiger, und Gasherde, die zumeist ein Leben lang halten, sind sage und schreibe 60 Prozent sparsamer im Verbrauch als elektrische Herde. Für den Geldbeutel bedeutet das pro Jahr 40 bis 60 Euro mehr drin. Um Ihnen den Wechsel zu erleichtern, fördern manche Stadtwerke den Umstieg auf den klimaschonenderen Energieträger Gas. Damit produzieren Sie gegenüber dem stromfressenden Herd 25 kg weniger Kohlendioxid pro Jahr.
Beispiel Heizen: Rund drei Viertel der im Haushalt eingesetzten Energie werden verheizt. Deshalb: Beheizen Sie nur Räume, die Sie wirklich nutzen. Halten Sie die Temperatur in Wohnräumen bei 18 bis 20 °C, im Schlafzimmer genügen oft schon 16 °C. Jedes Grad mehr Raumtemperatur steigert den Energieverbrauch um sechs Prozent. Drehen Sie die Heizung aber nie völlig ab. Es kostet unverhältnismäßig viel Energie, ein ausgekühltes Zimmer wieder aufzuheizen. Der Unterschied zwischen unbe-sonnenem und klugem Heizen kann sich auf 30 Prozent der Heizkosten belaufen.
Beispiel Waschen und Trocknen: Allein die Verbrauchseinsparungen eines sparsamen Neugeräts gegenüber einer zehn Jahre alten Maschine können für eine vierköpfige Familie 40 Euro im Jahr betragen und bei einer 20 Jahre alten Maschine bis zu 105 Euro. Wenn Sie zudem auch noch den Wasserverbrauch senken, sparen Sie mit jedem Liter doppelt, da Sie ja auch fürs Brauchwasser Abwassergebühren zahlen müssen. Mehr als drei Viertel des Stroms braucht eine Waschmaschine zum Aufhei-zen des Wassers. Höhere Temperaturen machen die Wäsche aber nicht zwingend sauberer. Die Wirkstoffe moderner Wasch-mittel haben ihr Temperaturoptimum bei 30 bis 40 Grad. Fürs Wäschetrocknen wendet ein Vierpersonenhaushalt durchschnitt-lich 75 Euro pro Jahr auf. Wäsche an die Luft zu hängen, kostet hingegen nichts. Wenn Sie sich zumindest im Sommer dafür entscheiden können, sparen Sie rund die Hälfte der Stromkosten. Schleudern Sie vorher mit 1 400 statt 1 000 Umdrehungen pro Minute, sparen Sie noch mal zusätzlich knapp 20 Prozent Strom.
Beispiel Reinigungsmittel: Es gibt keine umweltfreundlichen Reiniger: Fast alle enthalten Tenside, die als wassergefährdend eingestuft sind. Auch wenn es die Hersteller der rund 54 000 Wasch- und Reinigungsmittel auf dem deutschen Markt nicht freu-en wird: Die meisten ihrer Produkte sind überflüssig. Um im Haushalt klar Schiff zu machen, bedarf es keiner Armada an Putz-mitteln. Seife und Spiritus gegen Fette sowie Essig oder Zitronensäure gegen Kalk genügen, dass Boden, Armaturen und Fens-ter wieder strahlen. Weniger Reiniger und mehr Schrubben helfen der Umwelt am meisten. Versuchen Sie doch einmal, mit dieser Minimalausrüstung zurecht zu kommen und zählen Sie die gesparten Euros zusammen. Neben der Haushaltskasse werden es Ihnen Wassergetier und Atmosphäre danken.
Geiz ist geil, aber nicht gesund
Nun klappt es selbstverständlich nicht immer, sich in allen Lebenslagen umweltgerecht zu verhalten und dabei auch noch Geld zu sparen: Verglichen mit konventioneller Ware ist das Schwein des Biometzgers nämlich sauteuer. Aber Schlumberger macht hier auch niemandem etwas vor: "Für Fleisch aus ökologischer Landwirtschaft müssen Sie rund drei Viertel mehr ausgeben. "Der Experte weiß auch hier einen Rat: einfach weniger Fleisch essen. Das kann das teure Biosteak ein- bis zweimal die Woche wieder ausgleichen. Und immerhin bekommt man dafür bessere Qualität und reduziert seinen Verbrauch auf ein gesundes Maß. Ähnliches gilt für eine umweltverträgliche Fischmahlzeit. Da muss es Motivation genug sein, "zur Avantgarde zu gehören", wenn man Produkte mit dem Gütezeichen für nachhaltige Fischerei wählt und damit bedrohten Arten wie Kabeljau, Seehecht und Dorsch eine Auszeit gönnt. Außerdem muss "Größe und Gelassenheit aufbringen", wer als Klimaschützer dem Lockruf billiger Kurzstreckenflüge widerstehen will. Der Autor hält die Schnäppchenmentalität der Deutschen – verursacht durch den "Unterbietungswettbewerb der Hersteller" – aber nicht für eine unumstößliche Tatsache. Niedrige Preise seien gut, hohe schlecht, heißt es. Über die Qualität des Produktes sage das meist wenig aus. Auch Schlumbergers Umweltbuch beweist das: Es ist nämlich gemessen daran, was man darin erfährt und davon profitiert, unschlagbar preiswert.
von Tim Bartels
Andreas Schlumberger: 50 einfache Dinge, die Sie tun können, um die Welt zu retten, und wie Sie dabei Geld sparen. 2004 Westend Verlag Frankfurt/Main. 166 S. Preis 9,90 EUR. ISBN 3-938060-01-8
